Altersvorsorgedepot: So funktioniert die neue private Altersvorsorge

Altersvorsorgedepot: So funktioniert die neue private Altersvorsorge ab 2027 Sparen für die Zukunft und dabei staatliche Förderung bekommen? Ab 2027 soll das neue Altersvorsorgedepot (AV-Depot) genau das ermöglichen. Das AV-Depot soll die bisherige Riester-Rente ablösen und dabei stärker auf ETFs, Fonds und eine flexible Geldanlage setzen. Der Bundestag hat das zugrunde liegende Altersvorsorgereformgesetz Ende März 2026 beschlossen. Der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu. Starten soll das neue Modell am 1. Januar 2027.


Sparen für die Zukunft und dabei staatliche Förderung bekommen?

Ab 2027 soll das neue Altersvorsorgedepot (AV-Depot) genau das ermöglichen.

Das AV-Depot soll die bisherige Riester-Rente ablösen und dabei stärker auf ETFs, Fonds und eine flexible Geldanlage setzen.Der Bundestag hat das zugrunde liegende Altersvorsorgereformgesetz Ende März 2026 beschlossen. Der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu. Starten soll das neue Modell am 1. Januar 2027.

In diesem Artikel erfährst Du einfach und verständlich: Was ist ein Altersvorsorgedepot?

Wer kann es nutzen?

Welche ETFs und Fonds sind erlaubt?

Wie viel Geld gibt der Staat dazu?

Was sind die Vor- und Nachteile?

Was passiert im Rentenalter?

Kann man von Riester in das neue Modell wechseln?

1. Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge.

Das Prinzip ist einfach:

Du zahlst Geld ein → Dein Geld wird investiert → der Staat unterstützt Dich mit Zulagen und möglichen Steuervorteilen.

Du kannst regelmäßig über einen Sparplan einzahlen oder auch unregelmäßig Geld investieren.

Das Geld darf allerdings nicht in jedes beliebige Wertpapier investiert werden. Welche Anlagen erlaubt sind, hängt unter anderem von deren Risikoklasse ab.

Angeboten werden sollen Altersvorsorgedepots unter anderem von:

  • Banken
  • Versicherungen
  • Fondsgesellschaften
  • klassischen Depotanbietern
  • Neobrokern

Zusätzlich ist eine staatlich organisierte Variante geplant. Wie diese genau aussehen wird, ist noch offen.

Kurz gesagt:

Das AV-Depot funktioniert ähnlich wie ein normales Wertpapierdepot – allerdings mit staatlicher Förderung und besonderen Regeln für die Altersvorsorge.


2. Welche ETFs und Wertpapiere sind erlaubt?

Du kannst im AV-Depot nicht einfach jedes Wertpapier kaufen.

Entscheidend ist unter anderem der sogenannte Summary Risk Indicator (SRI).

Der SRI beschreibt das Risiko eines Fonds auf einer Skala von:

1 = sehr risikoarm bis 7 = sehr risikoreich

Erlaubt sind unter anderem:

  • Fonds der Risikoklassen 1 bis 5
  • breit gestreute Aktien-ETFs
  • beispielsweise ETFs auf den MSCI ACWI oder FTSE All-World
  • bestimmte Anleihen von EU-Staaten sowie deutschen Ländern und Gemeinden

Nicht erlaubt sind:

  • Einzelaktien
  • Zertifikate
  • Kryptowährungen
  • andere komplexe oder besonders spekulative Wertpapiere

Wichtig: Die Risikoklasse eines Fonds kann sich im Laufe der Zeit verändern, weil sie regelmäßig neu berechnet wird.


3. Wer kann ein Altersvorsorgedepot eröffnen?

Grundsätzlich kann ein AV-Depot von Personen eröffnet werden, die noch nicht vollständig in Altersrente sind.

Die staatliche Förderung bekommt allerdings nicht automatisch jeder.

Unter anderem können folgende Personen förderberechtigt sein:

  • Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Sozialversicherungspflicht
  • bestimmte Selbstständige
  • Beamtinnen und Beamte
  • Richterinnen und Richter
  • Soldatinnen und Soldaten
  • Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke
  • Auszubildende und Studierende mit rentenversicherungspflichtigem Nebenjob
  • Mini- und Midijobber mit Rentenversicherung
  • Bundesfreiwilligendienstleistende
  • Wehrdienstleistende
  • Menschen in Elternzeit oder Kindererziehungszeit
  • bestimmte Pflegepersonen
  • bestimmte Personen mit Arbeitslosengeld I oder Grundsicherung
  • Frührentner, beispielsweise bei Erwerbsminderungsrente

Keine Förderung gibt es beispielsweise für Personen, die sich bei einem Minijob von der Rentenversicherungspflicht haben befreien lassen oder kein eigenes rentenversicherungspflichtiges Einkommen haben.

4. Wie viel Geld gibt der Staat dazu?

Hier wird es besonders interessant.

Bei der staatlichen Förderung gibt es eine Grundzulage, eine mögliche Kinderzulage und zusätzlich mögliche Steuervorteile.

Die Grundzulage

Förderfähig sind Einzahlungen von bis zu 1.800 Euro pro Jahr.

Der Mindestbeitrag liegt bei 120 Euro pro Jahr, also 10 Euro pro Monat.

Die Grundzulage funktioniert folgendermaßen:

Eigene EinzahlungStaatliche Zulage
Erste 360 €50 % = 180 €
Weitere 1.440 €25 % = 360 €
Maximal540 € pro Jahr

Wer bereits vor seinem 25. Geburtstag mit dem AV-Depot startet, soll zusätzlich einmalig einen Startbonus von 200 Euro erhalten.

Beispiel

Jonas ist 24 Jahre alt und zahlt jeden Monat 150 Euro ein.

Das sind:

150 € × 12 = 1.800 € pro Jahr

Dafür bekommt er maximal:

  • 540 € Grundzulage
  • 200 € Startbonus

Damit fließen im ersten Jahr insgesamt 740 Euro staatliche Förderung in sein Depot.

Aus seinen 1.800 Euro eigenen Einzahlungen werden damit zunächst 2.540 Euro.


5. Gibt es zusätzlich Geld für Kinder?

Ja.

Für jedes kindergeldberechtigte Kind sind bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Jahr vorgesehen.

Die Kinderzulage ist dabei an die eigene Einzahlung gekoppelt.

Beispiel

Petra hat ein Kind und zahlt mindestens 120 Euro pro Jahr ein.

Ihre Grundzulage beträgt: 60 Euro

Zusätzlich kann sie eine Kinderzulage von bis zu: 120 Euro erhalten.

Damit würden insgesamt 180 Euro staatliche Zulagen auf ihre eigenen 120 Euro Einzahlung kommen.

Das Beispiel zeigt: Gerade für Familien kann die staatliche Förderung einen großen Unterschied machen.


6. Gibt es auch einen Steuervorteil?

Ja.

Neben den Zulagen können die Einzahlungen einschließlich der erhaltenen Zulagen steuerlich berücksichtigt werden.

Das Finanzamt führt dabei eine sogenannte Günstigerprüfung durch.

Ist der mögliche Steuervorteil größer als die bereits erhaltenen Zulagen, kann die Differenz über die Steuererklärung berücksichtigt werden.

Beispiel

Sina zahlt 1.800 Euro ein und erhält 540 Euro Grundzulage.

Damit können insgesamt 2.340 Euro steuerlich berücksichtigt werden.

Bei einem angenommenen Grenzsteuersatz von 35 % ergibt sich rechnerisch eine Steuerersparnis von ungefähr 820 Euro.

Da sie bereits 540 Euro Zulage bekommen hat, könnten zusätzlich etwa 280 Euro über die Steuererklärung berücksichtigt werden.

Die tatsächliche Höhe hängt immer von der persönlichen Steuersituation ab.

7. Was ist das Standarddepot?

Du möchtest für Deine Altersvorsorge investieren, weißt aber noch nicht genau, welche ETFs oder Fonds Du auswählen sollst?

Dann kann das sogenannte Standarddepot interessant sein.

Jeder Anbieter muss entweder ein eigenes Standarddepot anbieten oder auf ein Standarddepot eines Partners verweisen.

Das Standarddepot besteht grundsätzlich aus zwei Bausteinen:

1. Sicherheitsorientierter Baustein

Risikoklasse 1–2

2. Chancenorientierter Baustein

Risikoklasse 3–5

Dazu kann beispielsweise ein breit gestreuter Welt-ETF gehören.

Die Gewichtung kann angepasst werden.

Je näher der Rentenbeginn rückt, desto stärker soll automatisch in den risikoärmeren Bereich umgeschichtet werden.

Die Idee dahinter:

Je näher die Rente kommt, desto weniger stark soll ein Börsencrash das angesparte Vermögen treffen.

Die Kosten des Standarddepots sind gesetzlich auf maximal 1 % Effektivkosten pro Jahr begrenzt.

8. Die wichtigsten Vorteile und Nachteile

Vorteile

Staatliche Förderung

Deine eigenen Einzahlungen können durch Zulagen und mögliche Steuervorteile ergänzt werden.

ETFs können genutzt werden

Breit gestreute ETFs können langfristig ein wichtiger Bestandteil der Geldanlage sein.

Keine Vorabpauschale während der Ansparphase

Während der Ansparphase fällt auf das geförderte Guthaben keine Vorabpauschale an.

Steuerfreies Umschichten

Innerhalb des AV-Depots können Fonds grundsätzlich umgeschichtet werden, ohne dass dabei sofort Steuern auf Gewinne anfallen.

Rebalancing ohne sofortige Steuerbelastung

Auch die Anpassung der Gewichtung verschiedener Fonds ist innerhalb des Depots steuerfrei möglich.

Nachteile

Das Geld ist für die Altersvorsorge gedacht

Eine Auszahlung vor dem 65. Geburtstag kann förderschädlich sein.

Dann können erhaltene Zulagen und Steuervorteile zurückgefordert werden.

Keine Einzelaktien

Wer beispielsweise direkt Aktien von Apple, Siemens oder anderen Unternehmen kaufen möchte, kann dies innerhalb des AV-Depots nicht tun.

Keine Kryptowährungen

Bitcoin und andere Kryptowährungen sind im AV-Depot ebenfalls nicht vorgesehen.

9. Wie viel Geld darfst Du einzahlen?

Gefördert werden maximal:

1.800 Euro pro Jahr

Du kannst insgesamt aber bis zu 6.840 Euro pro Jahr in einen Vertrag einzahlen.

Für den Teil oberhalb von 1.800 Euro gibt es allerdings keine zusätzliche staatliche Förderung.

Deshalb kann es sinnvoll sein, die ersten 1.800 Euro für das AV-Depot zu nutzen und zusätzliches Geld beispielsweise über einen normalen ETF-Sparplan zu investieren.

Ein zweites AV-Depot bringt normalerweise keinen zusätzlichen Fördervorteil, weil die Förderung insgesamt auf die ersten 1.800 Euro pro Jahr begrenzt ist.

Wichtig: Das ist eine allgemeine Information und keine individuelle Steuer- oder Anlageberatung.

10. Was passiert mit dem Geld im Rentenalter?

Zwischen dem 65. und 70. Lebensjahr kannst Du grundsätzlich in die Auszahlungsphase wechseln.

Unter bestimmten Voraussetzungen ist ein früherer Beginn möglich, beispielsweise wenn bereits eine gesetzliche Rente oder Beamtenpension bezogen wird.

Zu Beginn können bis zu 30 % des Guthabens als Einmalzahlung entnommen werden.

Für das restliche Geld gibt es zwei grundlegende Möglichkeiten.

Modell 1: Auszahlplan

Das vorhandene Kapital wird über einen längeren Zeitraum ausgezahlt und bleibt dabei weiterhin investiert.

Die Auszahlung wird regelmäßig neu berechnet.

Dadurch kann die monatliche Auszahlung im Laufe der Zeit steigen oder sinken.

Beispiel

Renate hat mit 65 Jahren:

180.000 Euro

im Depot.

Sie nimmt 30 % beziehungsweise:

54.000 Euro

als Einmalzahlung.

Die verbleibenden 126.000 Euro werden für die weitere Auszahlung verwendet.

Die monatliche Auszahlung kann dabei ungefähr 470 Euro brutto betragen.

Da das verbleibende Kapital weiterhin investiert wird, kann sich die Höhe später verändern.

11. Modell 2: Lebenslange Rente

Bei dieser Variante erhältst Du bis zum Lebensende eine monatliche Zahlung.

Entscheidend ist dabei der sogenannte Rentenfaktor.

Er gibt an, wie viel monatliche Rente Du pro 10.000 Euro Depotvermögen erhältst.

Beispiel

Frank hat mit 67 Jahren:

250.000 Euro

im Depot.

Bei einem Rentenfaktor von 28 wären das:

700 Euro brutto pro Monat

Bei einem Rentenfaktor von 32 wären es:

800 Euro brutto pro Monat

Zusätzlich kann eine Rentengarantiezeit vereinbart werden. Dadurch kann die Auszahlung beispielsweise für 10 oder 20 Jahre garantiert werden.

12. Was passiert mit dem Geld im Todesfall?

Auch diese Frage ist wichtig.

Überträgt der Ehe- oder eingetragene Lebenspartner das geerbte Guthaben in ein eigenes AV-Depot, kann die Übertragung unter bestimmten Voraussetzungen förderunschädlich erfolgen.

Dann bleiben Zulagen und Steuervorteile erhalten.

Wird das Geld dagegen an eine andere Person übertragen oder nicht in ein AV-Depot überführt, können Zulagen und Steuervorteile teilweise zurückgefordert werden.

Zusätzlich kann Erbschaftsteuer entstehen, wenn entsprechende Freibeträge überschritten werden.

13. Wie wird das Geld später versteuert?

Die steuerliche Behandlung hängt unter anderem davon ab, wie das Geld ausgezahlt wird und ob die Einzahlung gefördert wurde.

Bei einer lebenslangen Rente kann beispielsweise die sogenannte Ertragsanteilsbesteuerung relevant sein.

Bei einer Einmalauszahlung gelten wiederum andere Regeln.

Für Einzahlungen oberhalb der Fördergrenze von 1.800 Euro gelten ebenfalls besondere steuerliche Regelungen.

Bei konkreten Fragen zur persönlichen Situation sollte deshalb die eigene Steuer- und Finanzsituation geprüft werden.

14. Kann ich von Riester zum Altersvorsorgedepot wechseln?

Wenn Du bereits einen Riester-Vertrag hast, soll grundsätzlich ein Wechsel möglich sein.

Der Wechsel erfolgt allerdings nicht automatisch.

Dazu wird zunächst der bestehende Riester-Vertrag entsprechend gekündigt beziehungsweise die Übertragung veranlasst. Anschließend wird ein AV-Depot eröffnet und der gewünschte Übertrag angegeben.

Ein bestehendes normales Wertpapierdepot kann dagegen nicht einfach in ein AV-Depot umgewandelt werden.

Es handelt sich um zwei unterschiedliche Modelle.

Achtung bei Riester-Verträgen mit mehreren Kindern

Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt und beispielsweise von mehreren Kinderzulagen profitiert, sollte einen Wechsel genau durchrechnen.

In bestimmten Fällen kann die bisherige Riester-Förderung günstiger ausfallen.

Deshalb sollte nicht allein nach einer allgemeinen Faustregel entschieden werden.

15. Altersvorsorge oder ETF-Sparplan?

Das Altersvorsorgedepot ist kein Ersatz für jeden normalen ETF-Sparplan.

Beide Modelle haben unterschiedliche Eigenschaften.

Altersvorsorgedepot

Pluspunkte:

  • staatliche Zulagen
  • mögliche Steuervorteile
  • ETFs und Fonds möglich
  • steuerbegünstigte Umschichtungen
  • speziell für die Altersvorsorge

Nachteile:

  • Geld ist stärker gebunden
  • eingeschränkte Produktauswahl
  • keine Einzelaktien
  • keine Kryptowährungen

Normaler ETF-Sparplan

Pluspunkte:

  • hohe Flexibilität
  • große Auswahl an ETFs
  • Geld grundsätzlich jederzeit verfügbar
  • Einzelaktien können separat gekauft werden

Nachteile:

  • keine staatlichen Zulagen
  • normale steuerliche Regeln
  • kein spezieller Altersvorsorge-Rahmen

Für viele Anleger kann deshalb auch eine Kombination aus Altersvorsorgedepot und normalem ETF-Sparplan interessant sein.

Fazit: Das solltest Du Dir merken

Das Altersvorsorgedepot soll ab 2027 eine neue Möglichkeit bieten, langfristig Vermögen für den Ruhestand aufzubauen und dabei staatliche Förderung zu nutzen.

Besonders interessant kann das Modell für Menschen sein, die früh anfangen zu sparen.

Denn beim langfristigen Vermögensaufbau spielt nicht nur die Höhe der Einzahlung eine Rolle.

Auch die Zeit ist ein wichtiger Faktor:

Je früher Du beginnst, desto länger kann Dein Geld arbeiten.

Wer beispielsweise bereits mit 16, 18, 20 oder 25 Jahren beginnt, hat viele Jahrzehnte Zeit, um Vermögen aufzubauen.

Dabei können regelmäßige Einzahlungen und der Zinseszinseffekt eine wichtige Rolle spielen.

Das Altersvorsorgedepot ist allerdings kein Produkt, das für jeden automatisch die beste Lösung darstellt. Besonders bei bestehenden Riester-Verträgen oder größeren Geldbeträgen lohnt sich ein genauer Vergleich.

Aktien & ETF erklärt Dir deshalb nicht nur, was Du kaufen kannst – sondern auch, welche Chancen, Risiken und Regeln dahinterstehen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Finanzberatung dar. Die konkrete steuerliche und rechtliche Situation kann von Person zu Person unterschiedlich sein.