Einführung in das Altersvorsorgedepot
Stell dir vor, du investierst flexibel in ETFs für deine Zukunft und der Staat schenkt dir jedes Jahr bares Geld dazu – ganz ohne die starren Strukturen und hohen Kosten alter Versicherungsverträge. Genau das soll ab dem 1. Januar 2027 mit dem neuen Altersvorsorgedepot (AV-Depot) möglich sein! Diese Reform soll die oft kritisierte Riester-Rente ablösen und den Vermögensaufbau mit Wertpapieren für Millionen Menschen in Deutschland attraktiver machen.
In dieser Lektion lernst du:
- Was das Altersvorsorgedepot ist und wer es nutzen kann.
- Welche ETFs, Fonds und Wertpapiere für die Anlage zugelassen sind.
- Wie hoch die staatlichen Zulagen, Kinderboni und Steuervorteile ausfallen.
- Wie das Geld im Rentenalter ausgezahlt wird und worauf du bei einem Wechsel achten musst.
Das Altersvorsorgedepot auf einen Blick
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge. Das Prinzip dahinter ist denkbar einfach: Einzahlen → Investieren → Förderung erhalten.
Du kannst entweder regelmäßig über einen Sparplan oder unregelmäßig per Einmalzahlung investieren. Angeboten wird das Depot von klassischen Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften und modernen Neobrokern. Sogar eine staatlich organisierte Depot-Variante ist geplant.
Der große Unterschied zu einem normalen Depot liegt in den besonderen Regeln für die Altersvorsorge und der finanziellen Unterstützung durch den Staat. Im Grunde ist es wie ein Schutzschild für deine Altersvorsorge, das gleichzeitig als Rendite-Turbo wirkt.
Erlaubte ETFs und Wertpapiere
Beim Altersvorsorgedepot hast du viel Freiheit, darfst aber nicht in jedes beliebige spekulative Produkt investieren. Die Auswahl orientiert sich am sogenannten Summary Risk Indicator (SRI), der das Risiko auf einer Skala von 1 (sehr risikoarm) bis 7 (sehr risikoreich) einstuft.
Was ist erlaubt?
- Investmentfonds und ETFs der Risikoklassen 1 bis 5.
- Breit gestreute Aktien-ETFs (wie beispielsweise auf den MSCI ACWI oder FTSE All-World).
- Bestimmte Anleihen von EU-Staaten, deutschen Bundesländern und Gemeinden.
Was ist verboten?
- Einzelaktien (z. B. Apple, Siemens).
- Zertifikate und andere komplexe Derivate.
- Kryptowährungen (z. B. Bitcoin).
Da sich das Risiko von Fonds im Laufe der Zeit ändern kann, werden die Risikoklassen regelmäßig neu berechnet.
Wer erhält die staatliche Förderung?
Grundsätzlich kann jeder, der noch nicht vollständig in Altersrente ist, ein Altersvorsorgedepot eröffnen. Doch die attraktive staatliche Förderung gibt es nicht automatisch für alle.
Förderberechtigt sind vor allem Personen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind oder ihr nahestehen. Dazu gehören unter anderem:
- Sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer sowie Auszubildende und Studierende mit rentenversicherungspflichtigem Nebenjob.
- Beamtinnen, Beamte, Richter, Soldaten und Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke.
- Personen in Elternzeit, Kindererziehungszeit oder bestimmte nicht erwerbsmäßige Pflegepersonen.
- Bezieher von Arbeitslosengeld I oder Bürgergeld (Grundsicherung).
Wer sich hingegen beispielsweise bei einem Minijob von der Rentenversicherungspflicht befreien lässt oder kein eigenes rentenversicherungspflichtiges Einkommen hat, geht bei den Zulagen leer aus.
Die staatliche Förderung: Zulagen und Steuervorteile
Die Förderung des AV-Depots ist das eigentliche Highlight und teilt sich in drei Bereiche auf:
1. Die Grundzulage
Gefördert werden eigene Einzahlungen von bis zu 1.800 Euro pro Jahr. Der Mindestbeitrag liegt bei 120 Euro jährlich (10 Euro pro Monat). Die Zulagenstaffelung belohnt besonders die ersten Euros:
- Auf die ersten 360 Euro gibt es 50 % Zulage (maximal 180 Euro).
- Auf weitere 1.440 Euro gibt es 25 % Zulage (maximal 360 Euro).
Das ergibt eine maximale Grundzulage von 540 Euro pro Jahr! Wer vor dem 25. Geburtstag startet, erhält zusätzlich einen einmaligen Startbonus von 200 Euro.
2. Die Kinderzulage
Für jedes kindergeldberechtigte Kind gibt es bis zu 300 Euro extra pro Jahr, gekoppelt an die eigene Einzahlung. Wer beispielsweise als Mutter oder Vater mindestens 120 Euro einzahlt, kann neben 60 Euro Grundzulage noch einmal bis zu 120 Euro Kinderzulage erhalten.
3. Der Steuervorteil (Günstigerprüfung)
Deine Einzahlungen inklusive der Zulagen können steuerlich geltend gemacht werden. Das Finanzamt prüft automatisch, ob die Steuerersparnis über die Steuererklärung höher ist als die bereits erhaltenen Zulagen. Wenn ja, wird dir die Differenz erstattet.
Das Standarddepot für Einsteiger
Du möchtest fürs Alter vorsorgen, hast aber keine Lust, dich intensiv mit der Auswahl von ETFs oder Fonds zu beschäftigen? Dafür gibt es das gesetzlich vorgeschriebene Standarddepot.
Jeder Anbieter muss ein solches Standarddepot anbieten oder auf das eines Partners verweisen. Es ist einfach aufgebaut und besteht aus zwei Bausteinen:
- Einem sicherheitsorientierten Baustein (Risikoklasse 1–2).
- Einem chancenorientierten Baustein (Risikoklasse 3–5), beispielsweise mit einem weltweit gestreuten Aktien-ETF.
Das Besondere: Es nutzt ein automatisches Lebenszyklus-Modell. Je näher du deinem Rentenalter kommst, desto mehr Vermögen wird automatisch in den sicheren Baustein umgeschichtet. So wird dein Erspartes kurz vor dem Ruhestand vor plötzlichen Börsencrashs geschützt. Zudem sind die Effektivkosten für dieses Standarddepot gesetzlich auf maximal 1 % pro Jahr begrenzt.
Was passiert im Rentenalter und im Todesfall?
Zwischen dem 65. und 70. Lebensjahr kannst du regulär in die Auszahlungsphase wechseln. Zu Beginn der Rente darfst du dir bis zu 30 % des angesparten Guthabens als steuerpflichtige Einmalzahlung auszahlen lassen. Für das restliche Vermögen hast du zwei Optionen:
Modell 1: Der Auszahlplan
Dein Geld bleibt weiterhin am Aktienmarkt investiert und wird über einen festgelegten Zeitraum schrittweise an dich ausgezahlt. Da das verbleibende Kapital weiterarbeitet, kann deine monatliche Auszahlung je nach Börsenentwicklung schwanken.
Modell 2: Die lebenslange Rente
Du entscheidest dich für eine klassische, garantierte monatliche Rente bis an dein Lebensende. Wie viel Geld du pro 10.000 Euro Depotvermögen bekommst, bestimmt der sogenannte Rentenfaktor des Anbieters. Optional lässt sich eine Rentengarantiezeit (z. B. 10 oder 20 Jahre) vereinbaren.
Was passiert im Todesfall?
Vererbst du dein Depot an deinen Ehe- oder eingetragenen Lebenspartner, kann dieser das Guthaben förderunschädlich in sein eigenes AV-Depot übertragen. Bei der Vererbung an andere Personen oder ohne Übertragung in ein AV-Depot müssen erhaltene Zulagen und Steuervorteile eventuell zurückgezahlt werden.
Vergleich: Altersvorsorgedepot vs. Riester & ETF-Sparplan
Lohnt sich das Altersvorsorgedepot für dich oder solltest du lieber auf einen klassischen ETF-Sparplan setzen? Und was passiert mit alten Riester-Verträgen?
Wechsel von Riester
Ein Wechsel in das neue AV-Depot ist ab 2027 möglich, geschieht aber nicht automatisch. Du musst deinen Riester-Vertrag kündigen und die Übertragung beantragen. Achtung: Familien mit vielen Kindern sollten genau nachrechnen! In manchen Fällen kann die alte Riester-Förderung durch hohe Kinderzulagen rentabler sein als das neue Modell.
AV-Depot vs. Normaler ETF-Sparplan
Das AV-Depot bietet staatliche Zulagen, Steuervorteile und steuerfreies Umschichten (Rebalancing) während der Sparphase. Dafür ist das Geld bis zum 65. Lebensjahr gebunden. Eine vorzeitige Auszahlung ist förderschädlich und führt zum Verlust der Zulagen.
Der normale ETF-Sparplan bietet maximale Flexibilität (Geld ist jederzeit verfügbar) und eine unbegrenzte Produktauswahl (auch Einzelaktien/Krypto), verzichtet dafür aber komplett auf staatliche Zuschüsse. Für die meisten Anleger ist daher eine Kombination aus beiden Welten die ideale Strategie.
Zusammenfassung
Hier sind die wichtigsten Kernpunkte, die du aus dieser Lektion mitnehmen solltest:
- Start ab 2027: Das Altersvorsorgedepot (AV-Depot) ist ein staatlich gefördertes, flexibles Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge.
- Renditeorientiert: Erlaubt sind Fonds und breit gestreute ETFs bis Risikoklasse 5. Einzelaktien und Kryptowährungen sind ausgeschlossen.
- Attraktive Förderung: Du erhältst bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr (bei 1.800 Euro Eigeninvestition) plus bis zu 300 Euro Kinderzulage und zusätzliche Steuervorteile.
- Standarddepot für Einsteiger: Wer sich nicht entscheiden kann, nutzt das Standarddepot mit Autopilot-Lebenszyklusmodell und gedeckelten Kosten (max. 1 % Effektivkosten).
- Auszahlung ab 65: Du hast die Wahl zwischen einer Einmalzahlung (max. 30 %), einem flexiblen Auszahlplan oder einer lebenslangen garantierten Rente.
Ausführliche Hintergründe zur Reform findest du auch in meinem Hauptartikel: Altersvorsorgedepot: So funktioniert die neue private Altersvorsorge.